Harry und der Greyhound Bus

Im März 1998 war ich also das erste Mal in den USA. Wegen der damals begrenzten finanziellen Mittel eines Studenten war nach knapp zwei Wochen leider schon wieder Schluss.

Die Route:
Mit dem Flieger von München über Atlanta nach New Orleans / Lousiana, anschliessend nach Houston / Texas und weiter nach Dallas / Texas. Von dort startete der Heimflug.

 

Die Story:
Was lange währt, wird endlich gut: am Flughafen von Atlanta betrat ich also zum ersten Mal in meinem Leben den so ersehnten amerikanischen Boden. Nach den Einreise-Formalitäten kam von der Beamten am Immigration-Schalter ein schroffes "Welcome to the US!"
In New Orleans angekommen gings dann mit dem Taxi zum gebuchten Hotel. Dort wurden wir dann darauf hingewiesen, dass aufgrund eines PC-Problems leider einige Reservierungen (darunter auch unsere) verloren gegangen sind. Jedoch war dem Managment dieses Problem bewusst und es wurden forsorglich Zimmer in anderen Hotels angemietet um die Gäste dort unterbringen zu können. Wir durften wählen, ob wir ein Hotel im French Quarter oder eines ausserhalb haben möchten. BINGO! Nachdem ich zuvor im Reisebüro kein bezahlbares Hotel im French Quarter mehr auftreiben konnte, haben wir auf diesem Umweg nun doch eines bekommen! Das Hotel war dann schliesslich das Saint Louis Hotel direkt im Quarter und nur wenige Schritte von der legendären Bourbon Street entfernt.

 


Einige Tage sp#ter, war dann der Aufbruch nach Houston angesagt. Da ich schon viel von den Greyhound Bussen gehört habe, war dies das Transportmittel unserer Wahl. Um Geld zu sparen, hatten wir beschlossen den Bus zu nehmen, der spät abnds losfährt und dann am nächsten morgen in der Zielstadt ankommt. So braucht man für diese Nacht kein Hotel. Das war eine wirklich "grandiose" Idee. Mittags mussten wir ja aus dem Hotel in New Orleans auschecken, das Gepäck kam in ein Schliessfach am Busbahnhof. Dann verbrachten wir dan Tag in der Stadt. Natürlich musste es gerade heute regnen... Abends dann im Busbahnhof eingetroffen und in der unglaublich schwülen Luft des Südens ewig lange auf den Bus gewartet. Dann gings endlich rein in das Vehikel und nun stand uns eine lange Nacht in den unglaublich bequemen im Prospekt angepriesenen "Liegestühlen" bevor. Schliesslich kamen wir um vier Uhr morgens total verschwitzt und fix und alle in Houston an.
Im Hotel dann erst mal bis mittags den entgangenen Schlaf nachgeholt und dann ging es in die (zumindest damals) drittgrösste Einkaufs-Mall der USA: die Houston Galeria. Unglaublich, was es alles gibt. In dieser Mall kann man sich wirklich mehrere Tage lang aufhalten. Wenn man keine Lust mehr zum Shoppen hat, geht man eben was essen oder man dreht eine Runde in der integrierten Eislaufhalle.


Dann ging es weiter nach Dallas. Nachdem wir nicht wieder so eine Horror-Tour wie nach Houston erleben wollten, nahmen wir diesmal den Bus am vormittag. Diese Fahrt war dann ein absolutes Erlebnis. Wirklich interessant, was für Leute in den USA mit dem Bus fahren (die "Normalo's" nehmen das Flugzeug, im Bus trifft man dann alles von den gebrochenen Existenzen über die Überlebnskünstler bis hin zu den Clowns). Nachdem der Busfahrer mitbekam, dass eine ältere Dame in der letzten Stadt den Bus eigentlich verlassen wollte, dies aber leider verpasst hat, wendete er bei der nächsten Gelegenheit und fuhr zurück. Dass wir diese letzte Station schon vor einer dreiviertel Stunde passiert hatten, spielte dabei keine Rolle. Soll dass mal einer in der Service-Wüste Deutschland verlangen! Das Mütterchen stieg dann also in dieser "Stadt" aus. Als wir weiterfuhren habe ich aus dem Fenster gesehen und mich gefragt, ob sie nun wohl wirklich dort war, wo sie hin wollte. Denn da stand sie nun mit ihrem Koffer und sah sich etwas verloren um. Es gab hier nur die Bushaltestelle, einen Gebrauchtwagenhändler und einen Angel-Shop samt Fischteich. Ob sie nun ein Auto kaufen oder angeln gehen wollte, war mir nicht bekannt....
Und weiter gieng die Fahrt duch die unendlichen Steppen von Texas. Ein weiteres Kuhdorf, das wir anfuhren, war Waco, dass vor geraumer Zeit mal kurz im Mittelpunkt des Weltinteresses stand und zu trauriger Berühmtheit gelangte, nachdem dort die "Festung" einer Sekte von den Behörden tagelang belagert und dann schliesslich gestürmt wurde weil bekannt wurde, dass sich die dort versammelten Gläubigen mehr oder weniger "freiwillig" gemeinsam ihrem Gott opfern sollten.
Der erste Blick auf Dallas war absolut beeindruckend. Man kann es mit Worten kaum erklären. Man muss sich vorstellen, dass man stundenlang durch Steppenlandschaften gefahren ist: kein Hügel geschweige denn Berge, kaum einmal ein Baum, nur vereinzelt unbedeutsame kleine Ansiedlungen, eine Landschaft, wie sie eintöniger nicht sein könnte. Und dann taucht urplötzlich die Skyline der Metropole Dallas am Horizont auf!
Dallas ist ebenfalls zu trauriger Berühmtheit gekommen, als dort das tödliche Attentat auf den damaligen demokratischen Präsidenten der USA, John Fitzgerald Kennedy, verübt wurde. Da in diesen jungen, charismatischen Präsidenten viele Hoffnungen des Volkes ruhten, ist die Stelle das Attentats zu einer Pilgerstädte von Touristen aus aller Herren Länder und auch den USA selbst geworden. Wenn man im Kino JFK gesehen hat (der zum Teil an Originalschauplätzen gedreht wurde) erkennt man die Location sofort wieder, obwohl sie in echt teilweise ganz anderst auf einen wirkt.  Der dritte Stock (nicht der vierte, wie oft durch Übersetzungsfehler zu lesen ist: die Amerikaner bezeichnen das Erdgeschoss als 1st floor, somit ist der 4th floor der dritte Stock) des ehemaligen Schulbuchgebäudes ist zu einem Museum umgestaltet geeworden. Unter anderem kann man durch exakt das Fenster, von welchem aus angeblich Lee Harvey Oswald die tödlichen Schüsse abgefeuert haben soll, auf die Elm Street blicken, der Strasse auf der Kennedy starb.

 

 

 

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