HARRY im WEB

meine Vogelspinnen

Nachdem mir eines meiner anderen Hobbies, nämlich das Mixen von Cocktails, einen unverhofften Anstieg an Besuchern beschert hat, war ich auf der Suche nach einer Möglichkeit diesen Zustrom etwas einzudämmen. Ein exotisches Haustier, wie eine Vogelspinne, erschien mir dabei ein adequates Mittel.
Nachdem ich mich dann lange übers Internet, in Büchern und Fachhandlungen informiert hatte, war es dann vor mittlerweile vielen Jahren soweit: Ich besass meine erste Vogelspinne, eine weibliche Grammostola rosea die sich noch heute in meinem Besitz befindet.

Leider war die Anschaffung etwas kontra-produktiv: die trinkfesten Kerls besuchen mich weiterhin uneingeschränkt, evtl. sogar vermehrt als zuvor und saufen mich dabei arm ("Boa ey, lass' mal deine Vogelspinne ankucken. Und by the way, steht auf der aktuellen Tageskarte zufällig ein Mai Tai mit drauf...?"), wohingegen die Mädels nicht mehr so gerne bei mir vorbeischauen ("Ich geh' in kein Haus wo so ein Viech rumkrabbelt. Was ist, wenn es ausbricht...? Kreisch!!!").
Seither betreibe ich unerschrocken Aufklärungsarbeit. Erstaunlicherweise waren die meisten Leute der Meinung, eine Vogelspinne könnte einen Menschen töten. Tatsächlich ist ein Biss einer solchen Spinne in etwa so giftig wie ein Bienenstich. Zugegeben, durch einen Biss könnten Bakterien ins Blut gelangen, die gefährlicher sein könnten als das Gift selbst und eine Blutvergiftung auslösen könnten. Das kommt daher, dass Vogelspinnen nicht gerade zu den Gourmets zählen und mit ihren Chelizeren (Giftzähnen) ansonsten ja sämtliches Ungeziefer das als Nahrung dient, töten. Deshalb achte ich neuerdings verstärkt darauf, das mein Tetanus-Impfschutz immer auf dem neuesten Stand ist. Aber ich bin ja eigentlich auch der Einzige, der Gefahr läuft gebissen zu werden, da ausser mir keiner was mit seinen Händen im Terrarium verloren hat. Aus diesem Grund ist es auch mit einem Schloss versehen.

Als ich ein Kind war, hatte mein Vater über viele Jahre hinweg ein Salzwasser-Aquarium. Darin befanden sich Tiere, die tatsächlich einem Menschen gefährlich werden können, unter anderem z. B. ein Rotfeuerfisch.
Was mir komisch aufstösst, ist die Tatsache, dass davor niemand Respekt hatte ("Uiiii, ist der aber schöööön...!"), meine völlig harmlose Vogelspinne wird dagegen als Monster tituliert...
Interessanterweise scheint die ursprüngliche Abscheu nach einer vorsichtigen Annäherung (erst mal ausserhalb meiner Wohnung Fotos von der Spinne herzeigen) dann doch in ein Interesse, die Spinne in natura zu sehen, umzuschlagen.

Mittlerweile habe ich mehrere Regale zu Terrarienanlagen aufgerüstet. Das bedeuted, dass ich die einzelnen Regalböden verstärkt und diverse Lampen montiert habe. Die Anlagen werden, über Zeitschaltuhren gesteuert, mit 12V Halogenstrahlern beleuchted. Je nach dem welche Spinnenarten in den beleuchteden Behältern sitzen, verwende ich Glühbirnen mit 10 oder 20 Watt, um die für die entsprechende Spezies angemessene Temperatur zu erreichen. Ausser den Lampen ist keine zusätzliche Heizung vorhanden. Somit sinkt die Temperatur nachts auf Raumtemperatur ab, was auch den Gegebenheiten in den natürlichen Habitaten der meisen Vogelspinnen entspricht. Temperatur und Luftfeuchtigkeit werden mittels digitaler kombinierter Hygro-/Thermometer überwacht.

Die meisten meiner Terrarien sind bepflanzt. Da Pflanzen bis zu 80% des Wassers das sie mit ihren Wurzeln aufnehmen über die Blätter wieder verdunsten, werten diese ein Terrarium nicht nur optisch auf sondern tragen auch dazu bei die Luftfeuchtigkeit in den Behältern stabil zu halten. Je nach dem ob die gepflegte Spinnenart aus (tropischen Regen-) Wäldern, Steppen oder (Halb-) Wüsten entstammt ist das Terrarium entsprechend mehr oder weniger üppig bzw. spärlich bepflanzt.

Vogelspinnen sind in der Dämmerung aktiv. Um sie auch dann beobachten zu können, ist neben einiger meiner Terrariuen zusätzlich eine Rotlicht-Lampe installiert. Durch dieses Licht fühlen sich die Tiere nicht gestört, da sie nicht in der Lage sind Licht dieser Wellenlänge wahrzunehmen.

Meine Grammostola Rosea hat mittlerweile eine Körperlänge (ohne Beine) von ca. 6cm und ist somit ausgewachsen.

Als die Spinne bei mir eingezogen ist, hat sie sich zunächst einmal jeden Winkel des Terrariums genau angesehen bzw. vielmehr ertastet, da Vogelspinnen nicht sehr gut sehen können, und anschliessend auch einen ordentlichen Schluck aus dem Wassernapf genommen.
Anfangs war die Spinne sehr ängstlich und hat ziemlich erschrocken auf Störungen reagiert. Mittlerweile nimmt sie es recht gelassen, wenn ich im Terrarium hantiere und bleibt ziemlich unbeeindruckt an ihrer derzeitigen Position sitzen. Nur wenn beim Befeuchten des Bodens oder beim Giessen der Pflanze versehentlich ein Wassertropfen als Querschläger in ihre unmittelbare Nähe gelangt ist sie schwer beleidigt und verkrümelt sich in ihre Höhle. Dann bekommt man sie für mindestens eine halbe Stunde nicht mehr zu Gesicht. Dabei scheint sie ansonsten nicht wasserscheu zu sein, wenn sie trinkt platziert sie ihr vorderstes Beinpaar und ihre Greifer ganz unerschrocken im Wassernapf.

Meine zweite Vogelspinne war eine weibliche Brachypelma boehmei. Auch diese ist mit einer Körperlänge von ca. 7cm mittlerweile ausgewachsen. Diese Art gehört zu den "echten" Bombadierspinnen, d. h. zur Verteidigung setzt sie in der Regel nicht den Giftbiss ein, sondern streift durch schnelles Reiben der Hinterbeine über den Abdomen die dort befindlichen Brennhaare ab. Diese erzeugen einen äusserst unangenehmen Juckreiz auf der Haut. Eine "echte" Bombadierspinne ist sie deshalb, weil prinzipiell viele Vogelspinnen der Neuen Welt über Brennhaare verfügen, diese Verteidigungsmethode aber dennoch nicht von allen Arten eingesetzt wird (die zuvor beschriebene Grammostola rosea z. B. bambadiert nie, wenn es ihr zuviel wird, beisst sie zu).

Die Brachypelma boehmei ist eine sehr nervöse Art, die auch schon bei kleinsten Störungen anfängt zu Bombadieren. Auf dem Foto ist sehr gut die riesige Glatze am Hinterleib zu sehen, die durch das Abstreifen der Brennhaare entstanden ist. Mit der nächsten Häutung werden die Haare ersetzt.

Meine beiden nächsten Tiere waren eine Cyclosternum fasciatum und eine Aphonopelma texensis. Beide Arten gehören zu den eher kleinen Vogelspinnen, Weibchen erreichen jeweils eine maximale Körperlänge von ca. 4 cm.
Die Aphonopelma texensis ist, wie der Name schon sagt, in den Vereinigten Staaten, vornehmlich in Texas beheimated. Sie lebt dort in eher trockenen Habitaten und sollte daher auch im Terrarium nicht zu feucht gehalten werden. Als Bodengrund verwende ich bei diesem Tier ein Sand-Torf-Gemisch um dem natürlichen Lebensraum in den Halbwüsten im Südwesten der USA zu entsprechen. Es handelt sich um ein sehr aktives Tier, das oft im Terrarium umherwandert und sich nur selten in den Unterschlupf zurückzieht.

Die Cyclosternum fasciatum stammt aus Zentral Costa Rica. Sie spinnt sehr viel und arbeited auch Bodensubstrat in die Spinnweben mit ein. Auf diese Weise bauen sich diese Tiere undurchsichtige Wohnröhren. Angeblich handelt es sich dabei um sehr versteckt lebende Tiere, meine hält sich jedoch oft sehr gut sichtbar im Terrarium auf.

Als nächstes zog eine Zwergvogelspinne aus Trinidad bei mir ein: Holothele incei. Mein erstes Tier dieser Spezies war ein Weibchen, welches ich dann verpaart habe. Das Interessante an H. incei ist die Tatsache, dass es sich dabei um soziale Tiere handelt. D. h. im Gegensatz zu den meisten anderen Vogelspinnen kann man sie in Gruppen halten und weiters ist es die einzige mir bekannte Vogelspinnenart die sich dabei nicht nur toleriert, sondern sogar auch aktive Brutpflege betriebt. Mittlerweile habe ich eine kleine Kolonie aus mehreren weiblichen und männlichen Tieren in einem Terrarium lebend. Immer mal wieder gibt es Nachwuchs. Diese Art ist mit etwas Vorsicht zu behandeln, da es sich um sehr nervöse und vorallem unglaublich schnelle Tiere handelt. Wenn man's nicht selbst gesehen hat, kann man sich von der Geschwindigkeit dieser Spinnen kein Bild machen. Diese Art spinnt ebenfalls sehr viel und hält sich leider nur sehr selten gut sichtbar im Terrarium auf. Dennoch ist es es mir gelungen, ein Foto zu schiessen dass der Schönheit dieses Tieres gerecht wird.

Ein weiteres Tier aus meiner Sammlung ist eine Nhandu coloratuvillosus die in Brasilien heimisch ist. Sie ist ein relativ nervöses und beizeiten auch bösartiges Tier das sofort beisst und bombadiert und sich schon bei kleineren Störungen in die Drohstellung mit gespreizten Chelizeren und angehobenem vorderen Beinpaar begibt und in dieser Stellung dann auch oft sehr lange verweilt. Ansonsten ist diese Art sehr leicht im Terrarium zu halten, da es sich um eine sehr robuste Spinne handelt. Auch das Füttern macht keine Probleme, wie alle Arten der Gattung Nhandu ist sie nicht wählerisch (frisst eigentlich alles was sich bewegt) und nimmt auch sehr gut und häufig Futter an.

Des weiteren besass ich eine Therahposa blondi. Zum Zeitpunkt des Erwerbs war das Tier in der dritten Fresshaut (d. h. seit dem Verlassen des Kokons hat sich die Spinne bislang zwei mal gehäuted, befindet sich also gerade in ihrer dritten Haut). Es war also ein sehr junges Tier. Trotzdem hatte der Körper schon eine Länge von ca. 2 cm. Das kommt daher, dass es sich bei dieser Art um den Gigant unter den Vogelspinnen handelt. Erwachsene Weibchen erreichen eine Spannweite von bis zu 30 cm und ein Gewicht von ca. 160 g.

Meine erste Vogelspinne, welche nicht in der Neuen Welt beheimated ist, war eine Citarishius crawshayi. Dabei handelt es sich um eine Art, die in ihrer Heimat Tansania bis zu zwei Meter tiefe Röhren in den Boden gräbt. Dies ist auch bei der Haltung im Terrarium zu beachten (ein relativ hohes Terrarium mit viel Bodengrund, z. B. aus einem Torf/Sand-Gemisch, ist notwendig). Es ist ebenfalls eine ziemlich grosse Vogelspinne, bis zu neun Zentimeter Körperlänge können erreicht werden. Diese Art ist äusserst wehrhaft und beisst gerne zu.

Eine weitere Art aus der Gattung Brachypelma ist meine B. emilia. Ähnlich der B. boehmei ist sie ein recht nervöses Tier, neigt aber weniger zum Bombadieren als diese. Wie die meisten Brachypelmen stammt auch diese aus kargen Gebieten Mexikos mit hohen Temperaturen. Ich halte sie daher bei einer rel. Luftfeuchtigkeit von nur ca. 60%.

Bei der am ganzen Körper schwarzen, samtartig glänzenden Spinne handelt es sich um eine weibliche Grammostola pulchra, die in feuchten Biotopen Brasiliens beheimatet ist. Wie die G. rosea ist auch dieses Tier sehr ruhig und friedlich. Ich habe sie auf einer der diversen Terraristik-Börsen erworben.

Ein weiteres meiner Haustiere ist neben Ägypten und Syrien auch auf Zypern und der Türkei heimisch. Dies macht sie zur grössten in Europa vorkommenden Vogelspinnenart. Es handelt sich dabei um eine Chaetopelma gracile.

Bei einem weiteren meiner Pfleglinge handelt es sich um eine Psalmopoeos irminia. Der wissenschaftliche Name der Spinnen dieser Gattung heisst übersetzt Psalmendichter. Dies kommt daher, dass Tiere dieser Gattung in der Lage sind, Laute von sich zu geben, im Fachbegriff nennt man dies Stridulieren. Diese Zischlaute werden bei Erregung von sich gegeben. Wenn eine Vogelspinne auf diese Weise droht, sollte man sie am besten in Ruhe lassen und etwaige notwendige Arbeiten im Terrarium auf einen späteren Zeitpunkt verschieben. Im Gegensatz zu allen bisher beschriebenen Arten handelt es sich dabei nicht um einen Bodenbewohner sondern um eine baumlebende Vogelspinne.

Des weiteren habe oder hatte ich unter anderem noch folgende Arten in meinem Bestand:
Poecilotheria metallica: eine baumbewohnende Spinnenarten aus Asien. Das Gift der Vogelspinnen aus der Gattung Poecilotheria ist stärker als das der meisten anderen. Ein Biss von ihnen kann auch zu mehreren Stunden anhaltenden Schüttelfrost-Anfällen führen und einen Menschen auch noch nach mehreren Wochen beieinträchtigen. Hier ist also besondere Vorsicht geboten.

Mit Ausnahme eines einzelnen Tieres gehören alle meine Spinnen zur Familie der Theraphosidae (Vogelspinnen).

Seit nunmehr einigen Jahren konzentriere ich mein Vogelspinnen-Hobby auf Spezies der als eher unspektakulär geltenden Gattungen Aphonopelma und Grammostola. Diese meist schlicht gefärbten Spinnen haben mich in den Jahren, seit denen ich mich mit diesen Tieren beschäftige, durch ihr Verhalten, ihre Lebensweise und speziell bei den Grammostolen durch ihren robusten Körperbau am meisten beeindruckt.

Meine komplette Bestandsliste liest sich derzeit wie folgt:



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